Mein Leben in Negombo-Sri Lanka

Warum auswandern, es geht uns doch gut ....?

Irgendwie ist es schon komisch, dass ich mir diese Frage stelle, nachdem wir vor gut 8 Jahren, den Container gepackt haben.

Klar, es gab Gründe, die ein Verbleib im Heimatland schwierig machten. Zumindest schien dies dazumal so.

Ich könnte es mir sehr einfach machen, indem ich einfach meine Frau dazu verdonnere, den Grund des Auswanderns zu sein. Es wäre aber schon erbärmlich, wenn man alles auf seine Frau abschieben würde.

So ist es vielleicht besser, wenn ich zuerst eine Rückblende mache.

Als ich meine Frau vor 15 Jahren kennen lernte, war mir irgendwo im Unterbewussten klar, dass wir wohl nicht für immer in meiner Heimat bleiben würden, denn ich lernte meine jetzige Frau, in Absurdistan kennen.

Meine frühere Frau wollte sich von mir trennen, weil ich mich 1995 nach dem Tod meiner Tochter und meines besten Freundes und schlussendlich auch meiner Mutter, nicht so gut verkraftet hatte, wie es nach aussen den Anschein machte.
Ich hatte mich verändert und mein tägliches Leben hatte auf einmal einen ganz anderen Sinn angenommen.

Den Tod meiner Tochter, die in meinen Armen gestorben ist, habe ich 17 Jahre später immer noch nicht verkraftet. Solche Bilder vergisst man nicht. Wie relativiert sich das Wissen einer Universitätsklinik in Zürich, wenn eine Tochter trotzdem stirbt, obwohl man als Vater für Spezialtherapien unterschreiben musste, damit sie angewendet werden durften.

Nie vergesse ich die Piiiiipstöne, der Monitore, nie vergesse ich das Gefühl, als Sie schlussendlich einfach ging, weil es einfach Zeit war zu gehen, weil hier nichts mehr für sie zu tun gab, weil Sie alles erreicht hatte, was Sie wohl erreichen musste.

Wie banal ist doch das Verhalten, der professionellen Mitarbeiter, wie Chefärzte, Ärzte, Schwestern, wenn ein junges Leben einfach aufhört zu leben. Wie banal geht man mit Hinterbliebenen um. Das Krankenschwesterchen, das half, die Infusionen und Messleitungen am Körper meines Kindes abzunehmen und dabei weinte, weil sie nicht wirklich so viel älter war, wie meine Tochter. Ich, der das Schwesterchen tröstete, weil vom professionellen Spital niemand gab, der diese Arbeit machen wollte, oder weil es für diese junge Schwester vielleicht das erste Mal war und sie drum überfordert war.

Nachdem auch administrativ alles erledigt, der Sarg bestellt und die letzten Habseeligkeiten abgeholt waren, konnte ich gehen. Die Uni Zürich entliess mich auf die Strasse, genauer gesagt, liess man mich in meinem Zustand der verzweifelten Trauer einfach mitten durch die Stadt Zürich, 35 Kilometer weit nach Hause fahren.
In dieser unglaublichen Uniklinik zu Zürich nennt man das Betreuung von Hinterbliebenen. Dieses einfach nach Hause gehen lassen, hätte problemlos noch zu einem weiteren Unfall mit Todesfolge führen können.

Als meine Tochter aus erster Ehe starb, gab es in mir einen Knacks. Als zwei Monate später mein bester Freund starb, hatte ich den Knacks schon, fühlte mich von da an aber alleine gelassen und dies, obwohl ich ja verheiratet war. .... und dann starb meine Mutter mit jungen 58 Jahren. Sie war die Letzte, wo ich noch habe über alles reden können, nachdem auch mein Bester Freund die Seite gewechselt hatte.

Ja, ich habe mich verändert und meine dazumalige Frau wollte eine Trennung, um sich später zu entscheiden, ob Sie sich scheiden lassen wolle. Ich verstehe das natürlich alles, denn ich heiratete ja nur, um in guten Zeiten, mit einem Lebenspartner zusammen zu sein. Vor Allem, wenn vom Anderen profitiert werden kann,

Um nicht noch mehr Kosten zu verursachen, habe ich dazumal einem Verwandten geholfen, in Absurdistan eine Firma aufzubauen. So musste ich nicht auch noch eine eigene Wohnung finanzieren.
Blockiert, durch die ganzen Vorgänge an sich, hatte ich nicht begriffen, dass ich von diesem Verwandten auch nur gebraucht wurde, missbraucht, weil auch der immer jemand brauchte, dem er die Schuld für allfällige Misserfolge in die Schuhe schieben konnte.

Er war nicht mal in der Lage, seinen Konkurs in der Schweiz abzuwickeln, das musste einer seiner Söhne für Ihn erledigen, der als Geschäftsführer angestellt war. Dies damit er fein raus war, der feine Herr. Er hatte dies aber auch schon erfolgreich in anderen Ländern durchgezogen, wo er Andere die Aufräumarbeiten machen liess.

Die Abwicklung in Absurdistan, damit alles einigermassen über die Bühne ging, dafür war sein zweiter Sohn zuständig, der allerdings auch nicht wirklich sauber ist, zumindest sind das meine Erkenntnisse. Als mir der Herr Papa endlich hätte Löhne zahlen müssen, durfte ich gehen.

So bin ich aber dank diesem beschissenen Kerl auf der Insel gelandet, wo ich meine jetzige Frau kennen gelernt habe. Wie sich später rausgestellt hat, hatte er auch meine Frau auf’s schändlichste betrogen und hintergangen.

Das Kennenlernen meiner jetzigen Frau war aber ein Glücksfall, wie sich später noch zeigen sollte !

Ich musste ja wieder zurück und als ich gesehen habe, was meine dazumalige Frau, in meiner Abwesenheit, aus der Firma gemacht hatte, mussten wir über Privates glattweg nicht mehr reden. Die Firma war am Boden und ich habe mich scheiden lassen.

Ich zog aus der gemeinsamen Wohnung aus, bezog eine kleine 2 Zimmerwohnung und arbeitete, in der eigenen Firma, was das Zeug hielt. Der Schuldenberg, den sich aber in meiner Abwesenheit massiv erhöht hatte und die schlechten Umsätze, brachte das Ganze dermassen in Schieflage, dass ich in die Offensive gehen musste und als erstes hatte ich dann mit allen Lieferanten geredet.

Die meinten übereinstimmend, sicher auch, weil ich die Karten offen auf den Tisch gelegt hatte, dass sie bei der vorgeschlagenen Schuldenregulierung mit machen würden, wenn ich die Firma zu 100% übernehmen würde und meine Ex-Frau draussen wäre.

Ich habe dann die hochverschuldete Firma für einen Taler übernommen und von da an hatte ich auch noch die ganzen Firmenschulden am Hals. Meine Ex ist sehr elegant ausgestiegen und sie hatte mich nicht nur dazumal beschissen, nein sie ist lange, nachdem ich schon ausgewandert war, noch wortbrüchig geworden.

Nebst langen Arbeitstagen hatte ich relativ lange gebraucht, bis ich die vergangenen Jahre der Buchhaltung durchgeackert hatte, um zu sehen, wo all das Geld hingeflossen ist, das gefehlt hatte, denn die Ex war für die Administration zuständig und auch noch gleich Geschäftsführerin.

Ich habe auch mit allen Kunden reden müssen, denen Unregelmässigkeiten aufgefallen sind, was mich dann dazu gebracht haben, einen Rundbrief zu verfassen, worauf sich die Situation kundenseitig beruhigte. Den Imageschaden hatten wir aber, denn sie hat in meiner Abwesenheit zu viel dummes Zeug rumgequatscht und somit nicht nur mich, sondern auch die ganze Firma in Misskredit gebracht.

Wie wenn dieser Schaden nicht genug gewesen wäre, musste ich auch noch mein geliebtest Bauernhaus verkaufen, als wir uns scheiden liessen. Sie war auf einmal nicht mehr daran interessiert. Ich hatte es zwar bezahlt, konnte Ihr aber dank Scheidung, die Hälfte vom Erlös hinten nach werfen.

Dem sagt man eine einvernehmliche Scheidung. Die ganzen Schulden übernehmen und das Haus verlieren. Es muss hier auch gesagt werden, dass meine Ex-Frau keinen müden Taler im Betrieb drin hatte.

Wieso, fragen sich vielleicht die Leserinnen und Leser, macht jemand so was ?

Ganz einfach, weil ein gemeinsames Kind da ist. Allerdings hatte ich nicht beachtet, dass die Mutter nur noch schlecht über den Kindsvater geredet hat. Es kommt aber jetzt, nachdem das Kind erwachsen ist, klar zum Vorschein.

Eigentlich wollte ich vom Auswandern schreiben. Um aber überhaupt die Gründe darstellen zu können, musste ich ein Bisschen ausholen und diese Rückblende machen.

Meine jetzige Frau hatte in meiner Heimat begreiflicherweise Heimweh. Natürlich flogen wir, oder zumindest meine Frau, mindestens jedes Jahr nach Hause, aber das reichte einfach nicht. Wir hatten in meiner Heimat nur auf dem Standesamt geheiratet, dass meine Frau endlich legal bei mir bleiben konnte und damit sie legal arbeiten konnte. Sonst hätte Sie nach 3 Monaten wieder ausreisen müssen. Die richtige Hochzeit fand schlussendlich im Heimatland meiner Frau statt und zwar mit allem drum und dran. Auch unser Kind wurde im Heimatland meiner Frau getauft, weil wir das so versprochen hatten.

.... und wir mussten immer wieder zurück, in mein Heimatland.

Stolz konnte ich ja schon sein, ich hatte eine liebe Frau und eine gemeinsame Tochter und ich hatte nach knapp 2 Jahre sämtliche übernommenen Schulden zurückbezahlt. Keine Reduktion über einen Schuldenschnitt, nein, gekrampft bis zum Umfallen und bis zum letzten Rappen alles bezahlt. Geschafft hatte ich das nicht alleine, geschafft hatten wir es, meine Frau und ich. Wir haben die Schulden zurückgezahlt, wo die Ex so elegant ausgestiegen war, die nur miese Geschichten über uns erzählt hat und nie eigenes Geld in der Firma hatte. Im Gegenteil, sie hat sogar zu viel bezahlte Sozialversicherungsgelder unterschlagen.

Ich habe all diese Demütigungen auf mich genommen, nur damit ich mir nichts Schlechtes nachsagen lassen musste.
Trotzdem hatte man noch lange über mich geredet, selbst als ich dann endlich weg war.
Die Menschen sind mit Lügen viel einfacher zu beeindrucken.

Lügen kommen aber immer aus, selbst in weit entfernten Ländern. Früher, oder später fliegen alle auf. Seien es die Geschichten dieses Verwandten, oder die der Ex.

Das Schlimme ist eigentlich, wenn ich Jahre später wieder mit solchen Lügen konfrontiert werde, weil sie einem selber auffallen, oder weil sie einem zugetragen werden. Es ist heute dank Internet kein Problem mehr. Niemand kann einfach unauffindbar verschwinden. Internet hilft da sehr.
Das musste auch dieser Verwandte auf einmal feststellen, wie auch die Ex.
Es kann ja jeder Geschäftskonkurs nachgelesen werden, weil solche Dinge öffentlich sind und drum auch veröffentlicht werden.

Sind solche Geschichten Gründe um auszuwandern ?

Ich meine nicht unbedingt.

Das Heimweh meiner Frau hätte sie mit der Zeit krank gemacht und es hat erst gebessert, als Sie wusste, wie lange sie noch in meiner Heimat aushalten musste.

Ich hätte eigentlich richtig aufräumen müssen, nicht wie ein Idiot, alle Schulden und Verpflichtungen übernehmen, um nebenbei noch ein Haus zu verlieren. Ich weiss nicht, wie meine Ex neu angefangen hätte, wenn ich mich nicht so idiotisch verhalten hätte.

Sie hat in den ganzen Jahren für sich die Pensionskasse aus der Firma einbezahlt. Für mich allerdings nicht, wie ich später feststellen musste.

Mein Geld war in der Firma, sie hat nur Geld aus der Firma rausgezogen, aber nie etwas mit eingebracht.

Ich habe das alles mit mir machen lassen, weil ich nicht streiten wollte, wegen unserer gemeinsamen Tochter.

.... und drum versteht Ihr sicher, dass es nicht nur das Heimweh meiner Frau war, sondern auch meine Gesundheit hatte einen wesentlichen Anteil daran, dass wir das Auswandern forciert haben.

Diese ganzen Geschichten, die durch meine Ex über mich angezettelt wurden, haben meiner Gesundheit geschadet, die langen Arbeitstage taten noch ihren Rest.

Ich konnte mit Hilfe meiner jetzigen Frau, die Firma wieder in die Gewinnzone bringen und schlussendlich auch verkaufen. Ich habe sie zu billig verkauft, das ist mir bewusst und habe zwei mal für mein Geld gearbeitet. Hätte ich das nicht so durchgezogen, wäre mir schlussendlich gar nichts mehr geblieben, ich hätte all mein Erspartes verloren.

Dies alles war zu viel. Nicht nur die Psyche war angeschlagen, mein Körper war’s auch.
Es waren nicht nur Depressionen, es war inzwischen zu einem richtigen Burn out angewachsen, mit allen Konsequenzen und Symptomen. Die Cholesterin- und Blutzuckerwerte hatten einen Höchststand erreicht, während sich die EX in Ihrem neuen Leben vergnügte.

Ich konnte irgendwann die Firma zwar verkaufen, aber weil ich unter Druck stand, hatte ich zu billig verkauft. Hätte ich aber weiter gemacht, wäre ich meiner Tochter, meinem Freund und Meiner Mutter gefolgt.

Mein Hausarzt hatte mir heftig Feuer unter dem Hintern gemacht, dass ich endlich aufhöre.

.... und so habe ich auf seinen Rat gehört.

Natürlich dachten wieder alle, ich hätte den grossen Schnitt gemacht, was dazu geführt hat, dass sich die Kinder aus früherer Ehe schon ausgemalt haben, was es da mal zu erben geben würde.

Ich habe nicht nur verkauft, nein ... wir sind gegangen, wir sind ausgewandert und zwar in die Heimat meiner Frau, in ein 3-Weltland.

Es ist sage und schreibe, über zwei Jahre gegangen, wo ich mindestens täglich 12 Stunden geschlafen habe, bis sich meine Gesundheit wieder so weit stabilisiert hatte, dass keine Gefahr mehr bestand und auch alle Werte wieder halbwegs im Grünen Bereich waren.
Ganz so nebenbei, haben wir noch den Tsunami erlebt, mit allen seinem Leid, seinen Betrügereien und der ganzen Korruption, der immensen Lügen und dies alles während des 30 Jahre andauernden Bürgerkriegs.

Es war aber immer noch besser, wie diese ganzen Geschichten in der Heimat, wo am Schluss auch nur noch Neid zu spüren war. Nicht zu vergessen, die vielen gestreuten unwahren Geschichten.

Wir haben in meiner Heimat alles bezahlt und keinen Taler Schulden hinterlassen, nicht wie so viele, die über uns hergezogen haben, die mit Ihren Fingern auf meine Schokoladefarbene Frau gezeigt haben. Die Kommentare erspare ich Euch, die wir hören durften, als unsere Tochter geboren wurde.

Niemand muss glauben, dass jemand mit meiner Frau Schriftdeutsch gesprochen hätte, ausser in unserem Gemeindehaus. Es gibt aber in meiner Heimat keine Sprachkurse in Schweizerdeutsch, sondern meine Frau hatte in der Schule Schriftdeutsch gelernt, man könnte auch sagen, Sie hätte Amtsdeutsch gelernt. Ich gehe heute, acht Jahre nach unserer Auswanderung davon aus, dass viele Schweizer die Schriftsprache einfach nicht beherrschen, oder sie dermassen Angst haben, sie anzuwenden, weil man natürlich hört, dass es ein Schweizer ist, der dieses Schriftdeutsch von sich gibt. Mit Englisch sieht’s noch schlimmer, oder bedenklicher aus. Englisch sprechen die Schweizerinnen und Schweizer noch weniger gern, möglicherweise, weil bis vor Kurzem Englisch nicht an den Schulen unterrichtet wurde, höchstens vielleicht als Freifach.

Es nützt dann natürlich wenig, wenn sich eine Ausländerin bemüht, die Landesschriftsprache, oder Amtssprache zu lernen und keiner spricht mit Ihr. Meine Frau hat erst anlässlich eines Besuches, in Deutschland begriffen, warum sie diese Sprache lernte und nicht Schweizerdeutsch.

Eine rühmliche Ausnahme war die Standesbeamtin dieses Ortes. Sie hat unsere Trauung in Englisch und Deutsch gehalten.

Die besten Freundinnen meiner Frau waren eine Thai und eine Phillipina. Die haben untereinander das gelernte Schriftdeutsch, oder Englisch gesprochen.
Natürlich hätte die Phillipina auch Tagalog, oder die Thai thailändisch gesprochen, oder mit meiner Frau hätte jeder nebst Englisch auch Sinhalesisch, Tamil, oder Hindi sprechen können.

Es gab einen weiteren Grund, warum ich gerne weggezogen bin. Da ich niemandem sagte, wohin wir ziehen würden, wurde ich auch bis heute nicht mehr von dieser weltweit grössten, freien Kirche ausfindig gemacht. Diese sogenannte Kirche, die im Grunde genommen mein ganzes früheres Leben beeinflusst hatte, mit Ihren Verboten und Richtlinien ganze Generationen von Menschen aufs Uebelste beeinflusst hatte und dies bis heute immer noch tut. Für die existierte ich auf einmal nicht mehr, ich hatte sie abgeschüttelt, oder abgestreift, wie einen viel zu engen Mantel.

Was habe ich in meinem Leben alles getan, um diesem Verein zu gefallen. Was haben wir Kinder zu Hause alles ertragen müssen. Der Vater als Amtsträger dieses ach so heilsbringenden Gehirnwäscheclubs. Nach Aussen der liebe Amtsträger und zu Hause kam sein zweites Gesicht, seine rechthaberische und alles bestimmende Art zum Vorschein, die nicht mal eine freie Berufswahl ermöglichte.
Ich musste einen Beruf lernen, der für die Kirche passte und möglichst keine Reibungspunkte mit den Gottesdienstzeiten verursachte. Natürlich machte mein Vater diesen Job für Gotteslohn, seinen Zahltag erarbeitete er sich in seinem Beruf.
Für diese Doppelbelastung konnte er zwar viele Verspechen dieser Kirche hören, finanziell hat er nur verloren.

Nebst all dem, wurde jede und jeder genötigt, 10% seines Einkommens in den Opferstock zu legen, was für unsere Familie dazumal bedeutete, keine Ferien zu machen, denn wenn 10% des Einkommens fehlen, lag das schlichtweg nicht mehr drin.

Zu meinen Zeiten wurden wir nicht nur genötigt mindestens 3 mal wöchentlich zur Kirche zu gehen, nein, es gab noch den Religionsunterricht, später hat man an Orchester und Chorproben teilnehmen müssen und so ist der grösste Teil der eigentlichen Freizeit, dieser Religion zum Opfer gefallen. Natürlich wurde einem auch nahegelegt, Werbung für diese Institution zu machen und neue Kunden anzubringen. Natürlich hat man dazumal „einladen“ dazu gesagt.

Freunde hatte ich ausserhalb dieses Zirkels kaum, denn die waren ja alle schlecht , respektive wurden schlecht gemacht und so isolierte ich mich, ob ich wollte, oder nicht.

Das, was in mir kaputt gemacht wurde, kann wohl niemand mehr reparieren, denn es handelt sich um nicht weniger, als um meine Kindheit und um meine Jugend.

Es kommt noch heute eine unbändige Wut in mir hoch, wenn ich daran denke, wie die dazumaligen Kinder Gottes gefügig gemacht wurden.

Natürlich ist auch das kein Grund, um auszuwandern, im Gegenteil. Ich hätte besser die Gesellschaft darauf aufmerksam gemacht, was hinter diesen Kirchenmauern so abgelaufen ist. Natürlich war es nicht schlimmer, wie das, was sich andere Religionen geleistet haben, und sehr schlimm ist für mich, dass bis heute, mein Heimatland, für die zwei Landeskirchen, die Kirchensteuern eintreibt, also unter Anderem den Steuervogt für Rom spielt.

Ich zahle heute nichts mehr, denn in Asien zahlt man weder an die katholische Kirche, noch an den Staat, irgendwelche Kirchensteuern, oder Opfer.

Ich werde hier weder gezwungen, noch genötigt, irgend einer religiösen Gemeinschaft anzugehören und dafür auch noch zu bezahlen.
Deswegen auswandern ? Nein, ganz sicher nicht. Es hätte gereicht, schriftlich seinen Austritt aus dieser Psychosekte zu geben, um dann von allen Mitgliedern, die man ja kannte, geächtet zu werden.

Die drei erlebten Todesfälle, haben mir bezüglich dieser heuchlerischen Kirche die Augen sehr weit geöffnet.

Es ist ein grosses Geschäft, wo den Menschen Angst gemacht wird und zwar mit Dingen, die man nicht beweisen kann, wie mit dem Leben nach dem Tod.
Natürlich bedienen sich noch andere Religionen dieser Instrumente. Ich musste hier mit dem Pfarrer nur einmal ein Bisschen diskutieren, was denn im Mittelalter so alles gelaufen ist, und dass die Katholische Kirche eigentlich in Asien gar nichts verloren hätte. Jetzt bekommen wir keinen Besuch mehr des Pfarrers, man lässt uns einfach leben.

Erst, seit ich eine Weile ausgewandert bin, Distanz gewonnen habe, eine Rückblende machte, weil ich endlich Zeit dazu hatte, wird mir bewusst, dass ich aus einem System ausgebrochen bin, in dem ich nicht mehr mitmachen wollte, nicht mehr mitmachen konnte, weil so ein System zwangsläufig krank macht.

Ein System, das ich nur mit viel Medikamenten ertragen und es in Kauf genommen habe, notfalls auch eine Spritze gegen einen Migräneanfall zu kassieren, nur dass die Show weiter gehen kann.

Vielleicht relativiert sich nun der Titel dieses Aufsatzes ein wenig und ich frage: Geht es uns in der Heimat wirklich so gut ?

Epilog :

Ich habe diesen Aufsatz geschrieben, weil in einem Auswandererforum dieses Thema erläutert wurde. Die Frage, nach dem Warum, hat sich oft gestellt. Waren es wirtschaftliche Gründe, hatte ich einfach Fernweh, wollte ich noch etwas Anderes sehen, andere Kulturen kennenlernen ?

Für mein Leben komme ich zum Schluss, dass ich unbewusst Dinge zurück gelassen habe, die sich mit mir nicht länger vereinbaren liessen, mit denen ich mich nicht mehr immer und immer wieder beschäftigen und auseinandersetzen wollte.

Ich glaube, ich bin nach all den Jahren nun dran, einen Schlussstrich unter mein früheres Leben ziehen zu können, um nochmals ganz neu anzufangen.
Dazu muss ich eigentlich in erster Linie meiner Frau Dankbar sein, denn ohne Sie hätte ich ja nie wirklich einen Grund gehabt auszuwandern.
Ich wäre vielleicht einfach in diesem ungeliebten System hängen geblieben.

.... auch diese Geschichte ist frei erfunden . Die Orte der Handlungen und die darin vorkommenden Akteure, sind natürlich frei erfunden.

Ich habe mich aber vom Leben so richtig inspirieren lassen.