Mein Leben in Negombo-Sri Lanka

Der Schneider ….

Nach den vielen Jahren, die ich nun schon hier lebe, möchte ich mal von einem ganz besonderen Ort, im Zusammenhang, mit meinem Schneider erzählen.

Im Normalfall, geht man ja in einen Laden, um sich ein paar neue Hosen zu kaufen.
Ist es vielleicht eine Jeans, gehe ich in den Jeans Shop, ist es aber eher etwas Edleres, gehe ich zum Schneider meines Vertrauens.
Das ist zwar dann nicht ganz so günstig, aber ich kann mir den Stoff aussuchen, mir wird Mass genommen und alles schön aufgeschrieben und zwischen ein paar Tagen und Wochen später, kann ich dann mein teures Einzelstück abholen und den Rest bezahlen, der nach der Anzahlung noch übrig bleibt.

So wäre es im Normalfall.

Wenn ich neue Hosen benötige, dann läuft das anders.
Ich gehe zu uns, ins Beerpub und fragen den Sassi, der OberkellnerKochAlleskönner, ob er nicht dem Schneider anrufen könnte, um mit ihm zusammen dann ein Bier zu genehmigen.

Natürlich habe ich in einer Plastiktasche ein Paar Hosen dabei, die er mir schon gemacht hat und so entfällt dann das Mass nehmen, wenn der Schneider dann auch wirklich kommt.

Meistens kommt er aber und wenn ich Glück habe, bringt er auch gleich Stoffmuster mit und wenn nicht, machen wir auf ein neues Bier, am nächsten Tag ab. Natürlich muss er spätestens um sechs Uhr da sein, weil später dunkelt es ein und noch ein Bisschen später, ist es dann wirklich dunkel und die Farben, wären so nur noch bei Kunstlicht anzuschauen. Strategisch also ein wichtiger Punkt.

Ist schlussendlich auch der Stoff ausgesucht, bekomme ich die Lieferfrist gesagt und ich bezahle eine Anzahlung, oder auch gleich die ganzen Hosen, wenn er denn den Preis schon weiss. Das Ganze ist ja vom Stoff abhängig.

Von diesem Moment an überlasse ich das ganze Hosenproblem dem Schneider und eine Woche später, treffen wir uns wieder beim Bier. Ich bezahle, was ich noch zu zahlen habe und wir stossen mit einem Bier an.

Später, schaue ich mir dann die Hosen zu Hause an und probiere sie natürlich auch an …. und ….
sie passen einfach wieder, wie angegossen. Das ganze mit einem Stöffchen, wo ich mich bei diesen Temperaturen natürlich richtig wohl fühle und das zu einem Preis, den man eigentlich gar nicht sagen darf, ohne sich zu schämen. Pro Hose habe ich dann schlussendlich und bitte, es ist ja eine Masshose, 14 Schweizer Franken bezahlt, in Euro wären's dann etwa 13 !

Wo bitte gibt’s denn so was, wo ich beim Bier ein Paar Masshosen, für 14 Franken bekommen kann ?

Natürlich sind das Einheimischen Preise und natürlich ist auch bekannt, dass hier in Sri Lanka günstig genäht wird.

So hatte ich früher, wo ich noch eine Homepage im Internet betrieben habe, immer Anfragen gehabt, von Leuten, denen man dann während ihrer Rundreise, eine ganze Kollektion hätte anfertigen sollen.

Natürlich waren die Stoffe nie die Richtigen und wenn man mit Ihnen auf dem Markt Stoffe aussuchen wollte, war ihnen das zu zeitraubend. Auf jeden Fall, haben sich diese Kunden auch gerne bewirten lassen und so musste ich immer schauen, dass genügend Bier, Mineral und andere Wässerchen vorrätig waren. Das Ganze mit einem Selbstverständnis, dass ich öfters leer geschluckt habe.

Es gab Einige, die nach Ihrer Rundtour gar nicht mehr gekommen sind, um die Sachen abzuholen und so hat meine Frau oft für nichts genäht, denn die Anzahlung hat zum Kaufen des Materials gereicht, aber nicht für die Arbeit und einem Profit. Wie manches Mal, hat Sie auch noch Nachtschichten eingeschoben, damit alles fertig würde. Möglichst günstig versteht sich.
Wenn wir die Getränke jeweils noch berücksichtigt hätten, wäre es schlussendlich gar kein Geschäft mehr gewesen, sondern nur noch Arbeitsbeschaffung.

Ihr versteht drum sicher alle, dass ich weder das Beerpub, noch den Schneider outen werde. Ich mache das zum Schutze der Einheimischen heute nicht mehr.
Meine Frau näht auch kaum mehr für Auswärtige.

von 2012